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BEATSTEAKS - five guys finish last



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Seit sieben Jahren düst das BEATSTEAKS-Spaßmobil mit runtergelassenen Scheiben durch die Moshpits und musste neulich zum dritten Mal in die Box, um sich neue Reifen aufziehen zu lassen. Nach ein paar zeitraubenden Feintunings ist die Karre mittlerweile wieder auf der Überholspur, schimpft sich 'Living Targets' und räumt fröhlich bollernd das verdutzte Feld von hinten auf. „Other bands play...”, grinsen die BEATSTEAKS und biegen mit Kickstart in die Zielgerade. Saubande.
"Da hinten, in dem Pavillon, da war früher unsere Kinderdisco“, sagt Arnim, als wir die Berliner Brunnenstraße entlangrumpeln, um das komplett fertige und im schicken Digipack verschnürte neue Album abzuholen. „Wahnsinn, den gibt's noch. Da hab' ich das erste Mal geknutscht, sagt der Frontmann und erinnert sich noch gut an seine 'Wit Boy'-Jeans, die er damals trug. 'Wit Boy' war hip im Ost-Berlin der späten 80er, „weit“ mussten die Hosen sein und „'ne Ami-Flagge an der Seite haben“, aber lassen wir das, es gibt jetzt Wichtigeres. Zehn Minuten und 120 steile Treppenstufen später hat er seine neue Platte in der Hand, zieht sich seine DEPECHE MODE-Mütze in die Stirn und betrachtet das schwarz/weiß/rote Powerpack von allen Seiten - wie ein Vater sein Baby. Nach all dem Schweiß, all der Arbeit und all der Zeit, die in diesem Album stecken, lassen wir ihn lieber zehn Minuten mit Beststeak Jr. allein und rollen die Geschichte von 'Living Targets' einmal von hinten auf: Der Spaß beginnt vor gut sieben Jahren, gleich um die Ecke. In der Schönhauser Straße 48/49 in Berlin-Mitte beziehen "THE" BEATSTEAKS ihren ersten Proberaum und verschieben in ihrem zwölf Quadratmeter großen Keller genau jene Akkorde, die sich Peter Baumann von seinen alten ÄRZTE- und TOTEN HOSEN-Amiga-Platten rausgehört hat. Der zum 'Facharbeiter für Besentechnik' ausgebildete Baumann zaubert mit Bernd 'Bernde' Kurtzke, Alexander 'Ali' Roßwaag, und Drummer Stefan 'Steffi' Hierch einen knarzenden Mix aus Punk und HardCore aus den selbstgebauten Verstärkern und bringt eines Tages den Freund eines Arbeitskollegen mit zur Probe: Arnim Teutoburg-Weiß, Artistensohn und einer, der auch Musik machen will. Musik, soso. Noch heute haben die drei verbliebenen Gründungsmitglieder Freudenpipi in den Augen, wenn sie sich an ihren ersten Gig auf der Abiparty eines Gymnasiums in Berlin-Lichtenberg erinnern. Das 'Konzert' in der schuleigenen Mensa wird auf Video gebannt und liegt heute sicher verschlossen in der Wohnzimmer-Schrankwand von Bernde, obwohl man ihm dafür schon mehrere Millionen geboten hat. Aber der Mann bleibt hart. Das erste 'richtige' BEATSTEAKS-Konzert steigt am 20. November 1995 im Berliner Statthaus Böcklerpark, einem versifften Jugendzentrum direkt am Landwehrkanal, das die Kreuzberger Jugend auch liebevoll '47/11' bezeichnet. Mit ihren Kumpels von GATE hinterlassen die BEATSTEAKS ein zünftiges Chaos und schaffen sich durch ihre unkoordinierte und extrem sympathische Liveshow ihr erstes Dutzend Die-Hard-Fans. Unter ihnen ist auch der zukünftige Manager, der sich schon kurze Zeit später als absolut größenwahnsinnig outet und den BEATSTEAKS in Schnapslaune eine große Karriere prophezeit. Geglaubt hat ihm damals keiner...
Nach der Veröffentlichung ihres ersten 4-Track-Demos 'Die Erste' und der kontinuierlichen Basisarbeit in den schmierigsten Clubs Berlins entern die BEATSTEAKS im August 1996 die Bühne der Arena, um mit vollen Hosen für die SEX PISTOLS zu eröffnen. Der laut eigener Buchführung zehnte Gig der „Beatbuletten“ verlief super, mal abgesehen davon, „dass uns gleich am Anfang so ein Superpunk den Stinkefinger gezeigt hat und wir den ganzen Gig aus Angst mit dem Rücken zum Publikum gespielt haben“. Abgefeiert hat man sie trotzdem. Grund für die ungemein fesselnden Liveshows der BEATSTEAKS waren nicht nur die extrem schmissigen Hooks der Songs, sondern vor allem die Hände reichende Bühnenarbeit der Fünf, die jedes Konzert in eine intime und familiäre Spaßarena verwandelt. Mit ihren blond gebleichten Haaren und Dickies-Hosen sind die BEATSTEAKS Zwillinge ihres Publikums, und ihre ersten '48/49-Berlin made'-Shirts sind heute absolute Kultobjekte.
Wenig später knattern die BEATSTEAKS ihre Debüt-CD '48/49' auf Band. Das Album wird von Produzent Seba Fell auf zwei ungestüme Soundbeine gestellt und sorgt kurz nach der Veröffentlichung auf 'XNO Records' dank Songs wie 'Unminded', '48/49', 'Barfrau' oder 'Me Against The World' deutschlandweit für Furore. Die BEATSTEAKS tragen ihren „aufgemotzten Penisrock“ kurz darauf durch die Weltstädte Brilon, Sarstedt und Fulda, begrüßen im Düsseldorfer AK 47 einen zahlenden Gast (plus sechs auf der Gästeliste: macht sieben verkaufte CDs...) und spielen zum Abschluss ihre Record Release Party vor knapp 600 Besuchern in der Weissen Rose zu Berlin. Spätestens seit diesem Tag, seit dem 31. Mai 1997, sind die fünf Freunde nicht mehr zu ignorieren. Im Anschluss touren die Jungs zunächst mit LAGWAGON, supporten später FAITH NO MORE und die BLOODHOUND GANG, und absolvieren im Frühjahr 1998 mit der TERRORGRUPPE und MAD SIN die 'Monsters Of Hauptstadt'-Tour. Staubende Moshpits deutschlandweit, und time to get launched...
'Launched' erscheint im Mai 1999 auf 'Epitaph'. „Geil, geil, geil“, finden das die BEATSTEAKS, denn „auf 'Epitaph' sind ALL, die DESCENDENTS, NOFX...“, und so weiter. Nun also auch die BEATSTEAKS, die in 'Epitaph' den adäquaten Partner gefunden haben und sich mit der neuen Platte vom Hau Ruck-Charakter (und dem Drummer) des Debüts lösen, um Rock und Pop auf Kosten des Punk mehr Platz einzuräumen. „So eine Scheisse“, sagt die Punkerpolizei (fuck 'em), „großartig“ der Rest. Das von Uwe Sabirowsky in den Berliner 'Elektroautomatisch Studios' produzierte 'Launched' geht direkter und gradliniger nach vorne als noch '48/49' und ist dennoch sehr eindeutig und unüberhörbar BEATSTEAKS. Das gedrosselte Tempo des Albums verlieh den Stücken zusätzliche Power, zeugte von einer in unzähligen Liveshows erspielten Tightness der Band und führte dank der MANOWAR-Persiflage 'Kings Of Metal', dem Akustiktrack 'Mitzie's Song' sowie dem in bester ÄRZTE-Manier abgenickten 'Schluss Mit Rock'N'Roll' in der 'Epitaph'-Tabelle locker nach Punkten. 'Launched' schwemmt die BEATSTEAKS ins große PunkRock-Moshpit, man spielt die 'Warped Tour' mit den TOTEN HOSEN und PENNYWISE, die 'Deconstruction Tour' mit NOFX, die 'Ladies First - James Last'-Tour mit den DONOTS und beendet das Jahr als Livegast auf der Geburtstagsparty von Bela B. Rock'N'Roll Überband...
'Launched' hält die BEATSTEAKS auch im Jahr 2000 ordentlich auf Trab. Zunächst die Nachricht aus Amerika, dass 'Epitaph'-Boss Brett Gurewitz das Album auch in den Staaten veröffentlicht, im April der Ausstieg von Bassist Ali und der Einstieg von Freund und LOWCHAINZ-Gitarrist Torsten 'Fluppi' Scholz, im Sommer die 'US Warped Tour' und erste Basisarbeit für ein neues Album, das im Frühjahr 2001 erscheinen soll. Wenn alles glatt geht.
Als die BEATSTEAKS am 2. Dezember 2000 das Dachgeschoss des Kölner 'Minirock Studios' bezogen, hatten sie ein knappes Dutzend neue Songs, eine lose Vorstellung vom anzustrebenden Sound, ein gesundes Maß an Übermotivation und mit Uwe Sabirowsky (s)einen Produzenten an der Seite, der das Kind schon schaukeln würde. Aber die BEATSTEAKS brauchten keine Woche, um festzustellen, dass die Klassenfahrt nach Köln nicht ganz so spaßig wird wie einst angenommen: „Wir hatten ziemlich hohe Ansprüche an uns selbst“, sagt Peter, „und nachdem ein paar Dinge im Studio nicht so locker liefen, wir wir uns das ausgemalt hatten, artete das Ganze in Arbeit aus...“ Siehste. Auch eine leichtfüßige, hart arbeitende und dennoch ziemlich sorgenfreie Band wie die BEATSTEAKS muss an diesem Punkt ihrer Karriere durch die Business- und Erwartungsscheisse waten, sich mit den Meinungen anderer auseinandersetzen und trotzdem versuchen, sich selbst und ihren Fans treu zu bleiben. Das ist nicht leicht, und das zerrt an den Nerven, aber die Fünf bestanden den wahrscheinlich härtesten Test ihrer Karriere mit Auszeichnung, fuhren nach zehn Wochen Köln wieder Richtung Heimat, warfen Frust und Ärger kurz hinter Bielefeld über Bord und arbeiteten nach ihrer Rückkehr konzentriert und mit einer "us against the world"-Attitüde an den neuen Songs. Zunächst im stillen Kämmerlein, später gemeinsam, und so hatte man im Frühsommer sechs taufrische und neue Killerstücke auf Tasche, die nach der Sommertour mit DIE ÄRZTE in Berlin aufgenommen wurden. Jetzt hatte die Sache Charakter, der BEATSTEAKS-Sound erstrahlt unter den geschulten Fingern von Ex-FAITH NO MORE-Bassist Billy Gould in goldgelbem Glanz und so vollendet man 'Living Targets' mit Trademark-Liedern wie 'God Knows' oder dem bereits auf 'Punk O Rama' enthaltenen Hit 'Let Me In'. Plötzlich blinzeln durch den Mix aus Punk, Rock, 60ies Garage und Pop auch geschmacksoutende Suprise-Tracks wie 'Disconnected' oder der 1.27-Speedball 'Not Ready To Rock', der das Album in bester KickAss-Manier eröffnet und die Latte nach ganz oben hängt. Außerdem verewigen sich auf 'Living Targets' neben dem Hitduo Teutoburg/Baumann auch Drummer Thomas und „von Kopf bis Fuß jehackt“-Bernde in Text und Musik, und sind für Stücke wie 'Soothe Me' oder 'Mirrored' hauptverantwortlich. Die Platte geht nach vorne wie ein Porsche bei grün, die BEATSTEAKS erwürfeln sich von Track zu Track tödlichere Hooks, jagen ein Kinder-Minikeyboard durch den Verzerrer, veröffentlichen den zwölften Song 'Summer' als erste Single (14.1.!) und wenn die 'lebende Zielscheibe' nach knapp 36 Minuten quietschend zum Stillstand kommt, dann holt der Bonustrack 'Yeah' zum Knockout aus. Other bands play, Freunde. Aber BEATSTEAKS kill.
Arnim hat mittlerweile seine Sprache wiedergefunden, jegliche Skepsis ist verflogen, das Ding sieht gut aus. Verdammt gut. Auf der Rückfahrt ist er mit seinen Gedanken schon bei der nächsten Tour, die ihn und die anderen vier im März einmal quer durch die deutsche Clubprärie führt. Natürlich stehen auch wieder die Weltstädte Schweinfurt, Nordhorn und ausnahmsweise sogar London, Paris und Amsterdam auf dem Rider, bevor am 28. März die große Record Release Party im Berliner ColumbiaFritz gefeiert wird. Gentlemen, star your engines. (Flo Hayler; Fotos: rika tupelo)


Quelle: Uncle Sally*s