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BEATSTEAKS - the fab five



Grandiose Liveband, diese Beatsteaks, von ihren Lieben zärtlich 'Beatbuletten' genannt, aus Berlin. Doch auch in konservierter Form nicht ohne, verschaffte ihnen doch seinerzeit ein schnödes Oldschool-Demotape einen Deal mit dem kalifornischen Punkrock-Mutterschiff 'Epitaph'-Records. Als erster deutscher Band! Dennoch: Auf der Bühne tobt die Kraft. Aber im Grunde wussten alle Besitzer von Ohren, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis die Beatsteaks eine Platte hinkriegen würden, die einen ähnlich unwiderstehlichen Sog entfacht wie ihre legendären Konzerte. Um nachdrücklich klar zu machen, dass live am dollsten knallt, haben sich die Fünf für ihr viertes Album 'Smacksmash' auf ihre Essenz runterdiskutiert, unnützen Plunder über Bord geworfen und ein wohlgereiftes Dutzend Songs eingespielt, die mehr Punch in den Fäusten haben als Muhammad Ali. Was nun spontan, selbstbewusst und so verdammt eigen klingt, ist im Grunde nichts anderes als das Ergebnis von acht gemeinsamen Jahren voll kompromissloser Leidenschaft, Erfahrung, Hingabe und vor allem: jeder Menge Freundschaft. Smack me Baby, one more time!
Die Wahrheit liegt auf dem Platz


Es ist Anfang Februar, der Tag vor dem 'Heimspiel', dem Beatsteaks-Konzert im SO 36 zu Berlin, der vierten und letzten Show der restlos ausverkauften 'Kleiner Vorgeschmack'-Tour, auf der die Jungs die Songs ihres neuen Albums 'Smacksmash' in vier deutschen Großstädten live vorstellten. Sänger Arnim Teutoburg-Weiß und Gitarrero Bernd Kurtzke sitzen topfit in einer ihrer Berlin-Kreuzberger Stammkneipen, einem der vielen bandeigenen Hang-Outs, in dem sie schon diverse Geburtstage feucht-fröhlich gefeiert haben. Die Jungs bestellen Cola und sind noch immer völlig geplättet ob der überwältigenden Resonanz, die sie einmal mehr von ihrem bis in die Haarspitzen loyalen Publikum erfahren haben. „Es war wie... es war so... überwältigend!“, sagt Arnim. „So als hätten die Leute auf nix anderes gewartet, die haben das Konzert förmlich in sich aufgesogen. Für uns war interessant zu sehen, wie die Fans auf die neuen Songs reagierten, und noch viel interessanter, wie heiß die Stücke anschließend diskutiert wurden...“ Sechs Songs des neuen Albums stellten die Jungs ihren Anhängern im Zuge der Vier-Tage-Tour live vor, nämlich die, „die während der Proben als erstes knackten. Wir hatten nur eine knappe Woche Tage Zeit, die Setlist für die vier Konzerte zu üben. Dabei mussten wir feststellen, dass wir nicht nur an den neuen, sondern vor allem an den alten Songs arbeiten sollten...“
Die Beatsteaks sind live eine Macht, unschlagbar, eine unwiderstehliche und magische Einheit ohne Tricks, Netz und doppelten Boden, die jede Bühne und jedes Publikum im Handumdrehen im Griff hat. Es ist der Mix aus Sympathie, Slapstick, ehrlich gefühlter Spielfreude und ergreifenden Songs, der das Phänomen Beatsteaks ausmacht. Seit ihrer ersten Welttournee 1997 durch Metropolen wie Fulda oder Sarstedt verbreitet sich der Virus Beatsteaks via Mund zu Mund-Propaganda schneller und hartnäckiger als 'Mydoom'. Heute, nach Hunderten dieser magischen Konzerte und den Alben '48/49' (1997), 'Launched' (1999) und 'Living Targets' (2001) haben die „Buletten“ bundesweit extrem loyale Fan-Nester, die wiederum ihre Gegend fest im Griff haben. Da fällt so eine neue Platte natürlich auf verdammt fruchtbaren Acker...


“Uns ist sonnenklar, was wir live zu tun haben und was da für uns funktioniert. Wir halten die Shows auch für uns selbst immer frisch, spielen immer eine andere Setlist. Ich finde es extrem wichtig, dass mich auch mal einer aus der Band daran erinnert, dass ich die Ansage soeben zum dritten Mal gebracht habe. Früher habe ich oft Bands gesehen, die gar keinen richtigen Spaß hatten, die einfach ihr Ding abgerissen haben, und das fand ich immer total scheisse. Vielleicht habe ich dafür auch ein bisschen einen Blick, weil ich ja aus einer Künstlerfamilie stamme. Und ich kriege immer einen roten Kopf, wenn mich jemand darauf anspricht, dass wir einen routinierten Eindruck gemacht haben. Ich will mental einfach da sein, nicht abwesend, und den Leuten alles geben. Die warten manchmal wirklich lange auf uns, und wenn wir in deren Stadt kommen, dann muss das ein Knallerabend werden. Da müssen wir 180% geben.“ (Arnim Teutoburg-Weiß)


Quattro Stazioni


Das Potenzial, die Gewalt der Liveshows aufs beinahe sprichwörtliche Tape zu bannen, an dieser Herausforderung sind schon ganz andere gescheitert. Doch die Beatsteaks kennen ihre kleine Rockfibel und haben sich - in Teamarbeit mit Freund und Produzent Moses Schneider - auf eine grandiose Idee zurückbesonnen. Den ganzen Herbst und ein bisschen Winter über verschanzten sie sich im Studio, nein in VIER Studios, um sich dort - Achtung - genau so aufzustellen wie auf der Bühne und alle Songs auch so - live - einzuspielen: Gitarrist Peter Baumann links, Arnim in der Mitte, dahinter Thomas Götz (er trommelt), rechterhand zunächst Torsten Scholz (Bass) und anschließend Bernd (Gitarre). So formierten sich die mittlerweile zu 'richtigen' Musikern gewachsenen Männer um die Mikros, jeden Tag, in jedem Studio. „Wenn du die Platte jetzt unter Kopfhörern hörst“, erklärt Arnim, „dann hast du auf dem linken Ohr Bernd, und auf dem rechten den Peter...“ Wie früher bei den Beatles. „Stimmt, aber die hatten sogar den Gesang nur auf einer Seite! Die waren also noch viel cooler. Deshalb heißen die auch Beat-les und wir Beat-steaks...“ Logo, leuchtet ein.


“Alle vier Studios waren extrem wichtig für die Platte. Von der letzten Session im Knaack (Berlin, Live-Aufnahme mit Publikum) haben wir letztlich keinen Song genommen, weil die vom Sound zu krasse Unterschiede zu den anderen Studios aufwies. Aber einzelne Elemente haben es auf 'Smacksmash' geschafft, die Handclaps vom Publikum zum Beispiel. Für uns war der Abend aber insofern wichtig, als dass wir erstmals Reaktionen auf die Songs bekamen und auch für meine späteren Gesangsaufnahmen hat mir der Gig einiges mitgegeben. Ich wusste gleich, worauf ich zu achten hatte.“ (Arnim Teutoburg-Weiß)


Das könnt ihr jetzt direkt mal ausprobieren, das mit links und rechts. Es funktioniert tatsächlich. Und das beste: Man möchte gar nicht mehr aufhören, diese 'Smacksmash'-Platte zu hören, ob mit oder ohne Kopfhörer. Arnim sagt, die Platte sei für die Band so etwas wie ein Neustart, eine Zäsur, die Neudefinition von Fett quasi, und damit sowieso und überhaupt das Beste, was zu diesem Zeitpunkt und an diesem Ort namens Berlin in ihnen gesteckt hätte. Zeit hätten sie sich genommen, fast ein Jahr, und es sei eine Verkettung zwar glücklicher, aber trotzdem geplanter Umstände, die dazu führten, dass 'Smacksmash' nun auch wirklich so etwas wie die beste Platte wurde, die jemals eine Band überhaupt irgendwo auf der Welt gemacht hat. Erstens war da Produzent Moses Schneider, „der Visionär“ wie ihn Bernd Kurtzke taufte, der das Konzept der Liveband auch im Studio umzusetzen verstand. Zweitens war da die Band, in der jeder plötzlich Einflüsse in sich entdeckte, die er erstens nie für möglich gehalten hätte, und die zweitens auch wie auf Knopfdruck aus ihm herauskullerten wie Murmeln aus der Hosentasche. Oder letztlich die Tatsache, dass es die Beatsteaks wie nie zuvor verstanden haben, ihre Persönlichkeiten und Vorlieben zu einem so unnachahmlichen Stilmix zusammenzufügen und dabei so reduziert und dennoch druckvoll zu klingen. Nicht, dass sie das zuvor nicht versucht hätten, aber irgendwie klingt es diesmal so... nach... Beatsteaks. Jeder Song des Albums ist anders, es gibt keine allumfassende Kategorie für das, was die Typen über Jahre in sich aufsogen und nun als etwas komplett eigenes wieder ausspuckt haben. Egal, ob es nun ein vor sich hin groovendes Jamaica-Stück wie 'And I Don't Care As Long As You Sing' ist („mit dem Song hat alles angefangen. Damit fiel der Vorhang“ - Arnim), die Hommage an Clash-Frontmann/Ikone/Ziehvater Joe Strummer 'Hello Joe', ein Punkwadenbeißer der Marke 'Loyal To None', des Autors Favorit, mit einem keifenden Bernd Kurtzke am Mikrofon, ein Song wie 'Atomic Love' mit einem A-ha-'Take On Me'-Hook, mit 'Big Attack' so etwas wie das erste politische Statement oder der Kalter-Schauer-Panik-Singalong 'Monster' - gebt dieser Platte drei Durchläufe, und sie hat euch gepackt.


“Wir haben alle einen Riesenschritt gemacht. Torsten spielt Bass wie ein Weltmeister, vor allem, WAS er spielt ist unglaublich. Ich meine, der Typ spielt sein Instrument erst seit drei Jahren. 'Smacksmash' ist die erste Beatsteaks-Platte, auf der wirklich ein Bass zu hören ist! Oder Thomas, der einfach unglaubliche Texte schrieb und den ich nur noch bitten musste, mir zu sagen, wie ich die intonieren soll. Und auch ich habe mich erst bei dieser vierten Platte getraut, richtig zu singen, und meine Stimme nicht mit zehntausend Harmonien oder Effekten zu verwässern.“ (Arnim Teutoburg-Weiß)


Neben der Liebe ist vor allem Respekt der rote Faden, der 'Smacksmash' durchzieht wie eine pulsierende Hauptschlagader. Respekt voreinander, Respekt vor den eigenen Ziehvätern und damit auch und vor allem vor The Clash. Eine Band, die besonders Schlagzeuger Thomas Götz extrem viel bedeutet und der mit seiner Bewunderung für Strummer & Co. seine Kollegen nachhaltig infizierte. Bisher coverten die Beatsteaks das in den Siebzigern bereits von The Clash interpretierte "I Fought The Law", spielten diesen Track für ihre 'Wohnzimmer EP' (2002) ein und brachten den Song natürlich an jenem 21. Dezember 2002 auch live, als sie in einer ausverkauften Berliner Columbiahalle das zur EP gehörige (oder umgekehrt) Wohnzimmer-Konzert spielten. Dass am nächsten Tag die Nachricht vom Tod Joe Strummers sämtliche Mitglieder traf wie ein Tritt in die Magengrube, liegt auf der Hand. „Thomas und Bernd hatten mich angesteckt“, sagt Arnim. „Ich habe nur noch Platten von The Clash gehört, diese sagenhaften Konzertmitschnitte angesehen. Als ich von Joes Tod erfuhr, habe ich mich hingesetzt und 'Hello Joe' geschrieben, am Tag nach dem Wohnzimmerkonzert. Es ist eine ganz klare Hommage an Strummer und The Clash, unser Statement, das einfach auf die neue Platte gehört.“


We're A Happy Family


Die Beatsteaks sind echte Familienmenschen. So mit identischem und intakten Freundeskreis und einem gesunden weil bodenständigen Umfeld aus Freunden und Kollegen. Jene Leute sind verlässliche Instanzen, von denen sich die Jungs auch mal was sagen lassen. Egal, ob Freundin oder Musiker, "es gibt einfach ein paar Leute, mit denen man die Songs auch mal durchgeht. Wenn man eine Platte macht, ist man extrem darin verloren. Manchmal war ich an dem Punkt, an dem ich nicht mehr wusste, ob wir gerade totale Scheisse machen oder ob das total geil ist. Da brauchte man schonmal Input von außen". Das Öl, das die Beatsteaks-Karre am Laufen hält, ist neben den unterschiedlichen musikalischen Vorlieben auch der Mix aus verschiedenen Charakteren und unterschiedlich großen Egos - die Basis der Band ist aber die über Jahre gewachsene Freundschaft. Die Jungs haben sich nicht gesucht, aber sie haben sich gefunden, der Thomas Götz, die fleischgewordene Rhythmusmaschine aus Schwaben am Schlagzeug, der härter und präziser in die Felle prügelt als jeder andere, die sichere Bank, der sich die Soloalben von Supersucker Eddie Spaghetti über Import besorgt oder bis in die Puppen mit Bernd im Proberaum brütet. Der Arnim, der abseits der Bühne ruhige Frontmann, das im Trapez getaufte Zirkuskind, der Entertainer und Akrobat, das Gesicht und die Stimme der Band, der am liebsten auf seinem Longboard durch seinen Heimatkiez rollt. Und Peter, der in dieser Sekunde wahrscheinlich den Descendents-Artikel von weiter hinten liest und sich die drei Buchstaben seiner Lieblingsband ALL ins linke Handgelenk hat ritzen lassen. Oder natürlich Bernd, der Tüftler und Techniker, der eines Tages mal die größten Kapellen produzieren wird und seine 74er Gibson nach jeder Probe abstaubt. Und die Beatsteaks fanden auch Torsten, den einstigen Gitarrist der legendären Lowchainz, der manchmal alte Soul-Platten auflegt und trotzdem diese Truckermützen gut findet. Gemeinsam sind sie stark und gemeinsam haben sie ein Album gemacht, das den Charakter des Einzelnen und damit den Charakter der Band auf den Punkt bringt, weil es in jeder seiner 1.913 Sekunden Laufzeit auch jene magischen 180% gibt. Für sowas haben die einen Blick...


“Wenn einer von uns die passenden Argumente auf den Tisch bringt, warum eine Stunde vor Ultimo noch ein Song von der Platte gekippt werden muss, dann wird das auch gemacht. Wenn es keine oberflächliche Abneigung ist, sondern eine echter Zweifel, dann kriegt der das auch durch. Sonst wäre ja was auf dem Album, von dem ich wüsste, dass es mindestens einer von uns nicht leiden kann.“
(Arnim Teutoburg-Weiß auf die Frage, warum von ursprünglich 13 Songs nur zwölf auf 'Smacksmash' gelandet sind)


Letzte Frage: Seid ihr eigentlich eine Mädchen- oder eine Jungsband?
Bernd: Beides. Und eine Band für jung und alt...
Thomas: Wir sind 'ne Mädchenband.
Arnim: Wie sagte einst John Lennon: „Hast du die Mädchen, gehört dir die Welt.“


Text: Florian Hayler


Quelle: Uncle Sally*s